Bündner Jäger kennen das Auerhuhn

Während den Jagden 2003 haben die Bündner Jägerinnen und Jäger fleissig Beobachtungen und indirekte Nachweise des Auerwildes gesammelt und der Wildhut gemeldet. Damit konnten die Kenntnisse über das Vorkommen dieser gefährdeten Vogelart verbessert und wichtige Voraussetzungen für dessen Schutz erarbeitet werden.
Die Bündner Jäger und Jägerinnen betätigen sich als Ornithologen und beteiligen sich aktiv am Schutz einer bedrohten Vogelart. Dies zeigt, dass für den Bündner Jäger nicht nur Trophäen und Beute im Zentrum stehen.

Gefährdet trotz Jagdschutz
Das Auerhuhn steht seit über 30 Jahren in der ganzen Schweiz unter Jagdschutz. Trotzdem gehen die Bestände in vielen Regionen der Schweiz seit den Siebziger Jahren stetig zurück. Dem Schutz und der Erhaltung des Auerhuhnes wird seitens des Bundes (BUWAL) und auch seitens des Vogelschutzes eine hohe Priorität zuerkannt. An der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) wurde ein Forschungsprojekt gestartet, um die wissenschaftlichen Grundlagen für einen effizienten Schutz zu verbessern. Die Vogelwarte Sempach hat 2003 einen Aktionsplan Auerhuhn Schweiz ausgearbeitet. Für die darin unterschiedenen 6 Regionen sollen im Anschluss Regionaldossiers erstellt werden. Sowohl in Bezug auf den Bestand, wie auch auf das besiedelte Gebiet, besitzt Graubünden inzwischen einen Anteil von 35-45% der Schweizerischen Auerhuhnpopulation. Weil die bündnerischen Auerhuhnbestände nicht jene dramatischen Entwicklungen wie in den Westalpen und im Jura zeigen, fällt unseren Teilpopulationen Nordbünden und Engadin eine wichtige Rolle bei der Erhaltung dieser Art zu.
Als Ursachen des Bestandesrückganges werden ungünstige klimatische Entwicklungen, negative Veränderungen in den Waldstrukturen und menschliche Störungen in den bevorzugten Vorkommensgebiete vermutet. Die letzten beiden Ursachen könnten durch entsprechende Massnahmen für das Auerhuhn verbessert werden, wenn die finanziellen Voraussetzungen und der politische Wille zur Durchsetzung von Massnahmen gegeben ist.

Partner zum Wohl des Wildes
Aus dem grossen Anteil der Bündner Population leitet sich auch unsere grosse Verantwortung für diese Vogelart ab. Gefordert ist neben der Bündner Forstwirtschaft auch der Bündner Vogelschutz und die Bündner Jagd. Die Jagd deshalb, weil mit der Jagdgesetzgebung nicht nur die Bejagung, sondern auch der Schutz des Wildes geregelt ist und weil der Gesetzgeber unter dem Begriff Wild die meisten Säugetier- und alle Vogelarten versteht. Und bekanntlich wird der Vollzug der Jagdgesetzgebung nach wie vor, vor allem durch die aktiven Jäger finanziert.
Das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden pflegt schon seit einiger Zeit eine enge Zusammenarbeit mit dem Amt für Wald Graubünden und der Ornithologischen Arbeitsgruppe Graubünden (OAG). Gemeinsam wird bis Ende 2004 ein Aktionsplan Graubünden im Sinne eines erweiterten Regionaldossier ausgearbeitet. Im wesentlichen werden darin die wichtigsten regionalen Erkenntnissen in Bezug auf Vorkommen, Gefährdungsursachen und Schutzmassnahmen aufgearbeitet. Es ist sehr wichtig, dass die auf nationaler Ebene definierten Schutzmassnahmen auf die regionalen Verhältnisse zugeschnitten und in verständlicher Form dargestellt werden.

Effizienter Schutz setzt Wissen voraus
Sowohl forstliche Massnahmen, als auch Massnahmen zum Schutze vor Störungen müssen auf die regionalen Verhältnisse zugeschnitten, bzw. herunter gebrochen werden. Die möglichst genauen Kenntnisse über Verbreitung und Bestandesgrösse des Auerhuhnes sind unbedingte Voraussetzungen für den gezielten Einsatz von Schutzmassnahmen und später auch für die Erfolgskontrolle von getätigten Massnahmen. In erster Linie gilt es, das nationale Auerhuhn-Inventar von 1985 zu verifizieren und zu einer tauglichen Grundlage weiter zu entwickeln. Eine Schlüsselrolle fällt dabei der Wildhut (Wildhüter und Jagdaufseher) zu. Aus diesem Grunde wurde die Wildhut schon seit längerer Zeit für diese wichtige Vogelart sensibilisiert und mit den direkten und indirekten Nachweismethoden vertraut gemacht. Ebenso wurden immer auch die Kontakte zu den Kennern der nationalen Szene gesucht.

Jäger hüten ein grosses Wissen
Nach einem Treffen zwischen den Forschern der WSL und der Wildhut des Jagdbezirkes V Albula-Davos hatte der Wildhüter Bezirkchef Riccardo Engler die zündende Idee, das grosse Wissen der Jäger zu erschliessen. Im Jahre 2002 organisierte er sozusagen als Pilotstudie eine freiwillige Umfrage bei den Jägern, die im Jagdbezirk V das Patent lösten. Der Erfolg war gross, meldeten doch 40 Jäger 112 Auerhuhn-Beobachtungen. Diese Idee hat das Amt für Jagd und Fischerei im 2003 für den ganzen Kanton übernommen. Bei der Patentausgabe wurden die Jäger mit einem Meldeblatt für Zufallsbeobachtungen zur freiwilligen Mitarbeit bei der Überwachung der Auerwildbestände aufgerufen. Auf dem selben Blatt wurden die wichtigsten direkten und indirekten Erkennungsmerkmale in Erinnerung gerufen. Auch diesmal war das Echo sehr positiv. 179 Jäger meldeten 374 Auerhuhn-Beobachtungen. Insgesamt sind nun in der Datenbank des Amtes für Jagd und Fischerei 486 Auerhuhn-Beobachtungen von 210 Jägern gespeichert. Die Karte mit den eingegangenen Meldungen zeigt, dass sich dank der Jägerschaft ein gutes aktuelles Bild über die Auerhuhnverbreitung im Kanton Graubünden erstellen lässt. Wenn diese Daten nun mit den Daten der Wildhut, der Aufsicht des Schweizerischen Nationalparks, der Ornithologen und der Auerhuhnforscher zusammengeführt werden, ergibt sich eine gute Übersicht über die aktuelle Situation des Auerhuhnes. Die Ergebnisse dieser Umfrage zeigen aber auch, dass noch viel mehr bisher unerschlossenes Wissen bei den Jägerinnen und Jägern ruht. Es ist kaum anzunehmen, dass die anderen 5'700 Jägerinnen und Jäger, die sich regelmäßig in Bündens Wälder aufhalten, keinem Auerwild begegnen oder dies nicht kennen. Die örtliche Wildhut sowie das Amt für Jagd und Fischerei nehmen Meldungen auch aus früheren Jahren jederzeit gerne entgegen. Es ist zu hoffen, dass solche Umfragen auch in Zukunft auf ein reges Interesse stossen werden. Sie sind eine Möglichkeit, sich für den Schutz des Wildes einzusetzen.

Monitoring-Konzept Auerhuhn Graubünden
Im Rahmen des Aktionsplanes wurde auch ein EDV-Datenmodell entwickelt, das es erlaubt, die verschiedenen Ebenen von flächigen, punktförmigen und linearen Daten miteinander zu verknüpfen und zu einem brauchbaren Instrument für die Überwachung (Monitoring) der Auerhuhnbestände weiter zu entwickeln. In diesem Jahr sollen alle vorhandenen Daten zusammengeführt werden. Zusammen mit dem Massnahmenplan sind dann die Voraussetzungen für den Schutz dieser faszinierenden Vogelart gelegt. Bei der Umsetzung der forstlichen Massnahmen ist dann wiederum der Bund gefordert, die notwendigen Geldmittel der Forstwirtschaft zur Verfügung zu stellen. Ein weiterer Schwerpunkt wird bei der Ausbildung des Forstpersonals gesetzt. In diesem Jahr wurden spezielle Auerhuhn-Kurse in der Surselva und im Unterengadin durchgeführt, die auf reges Interesse gestossen sind.
Die Jägerschaft hat mit der aktiven Beteiligung an der Umfrage bewiesen, dass sie sich auch um nicht jagdbare Arten kümmert und dass ihr deren Schutz am Herzen liegt. Dafür möchten wir allen „Mitarbeitern“ recht herzlich danken und sie zu weiteren Meldungen ermuntern.

Amt für Jagd und Fischerei Graubünden
Hannes Jenny, Wildbiologe

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