Warnschuss aus der Nachbarschaft

Die Jagd in Graubünden ist ein wichtiger Teil…
…des kulturellen Lebens und der Identität des Bündnervolks. Sie ist ein Symbol für Freiheit und Heimatverbundenheit. Die Jagd ist aber nicht nur ein gesellschaftliches Thema, sondern sie berührt auch Themen wie Umwelt, Wald, Tourismus und Tierliebe, also hochaktuelle und sensible Bereiche, die uns alle betreffen. Wenn wir uns des fachlichen, aber auch des emotionalen Potenzials dieser Themen, teilweise mit Sprengkraft, bewusst sind, müssen wir uns damit beschäftigen. Agieren statt reagieren. Wie gehen wir mit den Herausforderungen der Zukunft um? Wie engagiert müssen wir uns mit den Auswirkungen des Klimawandels, der Veränderung der Wildtierbestände, der Präsenz der Grossraubtiere und der zunehmenden Kritik «jagdsensibler» Personen auseinandersetzen? Diese Fragestellungen müssen wir regelmässig überprüfen, damit uns die Realität nicht überholt. Hierzu braucht es überzeugende Antworten und justierte Strategien.

Wenn die Nachbarn die Stirn runzeln
Wer alles schönredet, verliert an Glaubwürdigkeit. Und zwar ziemlich schnell. Was zählt, sind belastbare Argumente. Wichtige Zusammenhänge gehören auf Faktenblätter. Wichtige Zusammenhänge müssen manchmal gebetsmühlenartig wiederholt werden. An verschiedener Stelle habe ich bereits betont, wie wichtig, aber auch wie erlebnisreich die Niederjagd ist. Dies gilt es unermüdlich und aktiv zu erklären, um uns die Bedeutung der Niederjagd vor Augen zu halten und anderen aufzuzeigen, wollen wir eines Tages nicht die Perle der Bündner Jagd verlieren. Im Kanton Uri haben sich die Dinge in einer ungünstigen Weise entwickelt. Mit einer Volksinitiative zur Abschaffung der Jagd auf das Schneehuhn und den Schneehasen sollte das Jagen zurückgestutzt werden. Mit nur 52,9 Prozent Neinstimmen wurde die Volksinitiative «Schneehuhn und Schneehase leben lassen» am 18. Mai 2025 von den Urner Stimmberechtigten knapp abgelehnt. Ein blaues Auge. Oder zwei? Oder doch nur ein Beinaheunfall? Wie konnte das in einem ländlich geprägten Kanton passieren? Der Fall des Kantons Uri muss uns eine Warnung sein. Der Vorstand wird diese Zusammenhänge reflektieren. Sind wir bereit, daraus zu lernen?

Hard Facts 2024
Im vergangenen Jahr sind in Graubünden insgesamt 4877 Hirsche, 2619 Rehe, 2928 Gämsen und 72 Wildschweine erlegt worden. Diese grossen Zahlen zeigen, dass wir unserer Verantwortung in verlässlicher Weise nachgekommen sind und aktiv zur Regulierung der Wildbestände beigetragen haben. Und wie wir ab Seite 7 erfahren, wurden im Jahr 2025 zwar weniger Hirsche gezählt, aber die Regulierungsherausforderungen bleiben bestehen. Und betreffend Niederjagd hier auch die entsprechenden Zahlen: Im Jahr 2024 sind 920 Feld- und 644 Schneehasen erlegt worden. Ein grosser Anteil davon wurde sicherlich mithilfe der treusten Jagdbegleiter überlistet. Im Jahr 2024 wurden denn auch 648 Jagdhundebewilligungen ausgestellt. Wie viele tolle, emotionale, farbige Erlebnisse ranken sich wohl um diese nackten Zahlen? Was haben die Jägerinnen und Jäger, die zu diesen Zahlen beigetragen haben, wohl alles erlebt? Wir wissen es nicht. Aber wir können es erahnen. Die Erlebnisse sind inzwischen längst Teil der Jägerseele geworden.

Fest steht: Unseren Hasen geht es sehr gut
Bedauerlicherweise haben wir keine Zahlen zum Jahr 2024, wie viele Stunden Aufklärungsarbeit von uns Jägerinnen und Jägern geleistet wurden. Und auch nicht, wie viele Tausende Hegearbeitsstunden verrichtet wurden. Eines scheint jedoch klar: Sie sind ein unverzichtbarer Teil zur Lebensraumgestaltung und -erhaltung – auch für die Schneehasen und Schneehühner. Intakte Lebensräume sind die entscheidende Grundlage, ob es den Tieren gut geht. Die Jagd ist dafür nicht direkt verantwortlich. Fest steht: Unseren Hasen geht es sehr gut.

Verbandsaufgaben weitsichtig und wirkungsvoll ausüben
Unsere Bündner Jagd kann nur dann weiterhin praktiziert werden und ihre Tradition fortschreiben, wenn sie sinnvolle Aufgaben erfüllen kann, die in unserer modernen Welt anerkannt werden und überzeugen können. Die Jagd kann sich auf dieser Basis selbstbewusst bemerkbar machen, aber sie muss auch sensibel darauf bedacht sein, sich an die sich verändernden Umstände anzupassen. Das gefällt natürlich nicht immer, das ist mir auch klar. Aber es ist die verantwortungsvolle Aufgabe des Verbandes, genau hinzuschauen, die Situation zu analysieren und Massnahmen zu prüfen. Ich komme nochmals zur umstrittenen Regulierung der Hirschbestände zurück. Um Wildschäden am Wald zu verhindern, sollen voraussichtlich auch in diesem Jahr etwas weniger als 5000 Hirsche erlegt werden. Dies ist notwendig, um den Wald – vor allem den Schutzwald – zu schützen und die Biodiversität zu erhalten. Doch diese Massnahme wird von vielen hinterfragt. Es gibt Stimmen, die eine zu starke Dezimierung der Hirschbestände befürchten. Deshalb müssen wir einen ausgewogenen Ansatz finden, der sowohl den Schutz des Waldes als auch den Lebensraum und das Wohl der Tiere berücksichtigt. Auch dazu müssen wir, die Mitglieder des BKPJV, unsere Stimme hörbar erheben.

Euer Tarzisius Caviezel Präsident BKPJV

Kontakt:

Bündner Patentjäger Verband
Promenade 56B
7270 Davos Platz

Tel.: 081 511 60 10
E-Mail: info@bkpjv.ch

Die nächsten Termine:

22. Mai 2027 DV in Davos

Besuchen Sie uns auch auf Facebook:

Cookie Einstellungen/ Datenschutz / Impressum ©Copyright 2026 Patentjäger Verband Graubünden

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf „Alle erlauben“ erklären Sie sich damit einverstanden.

Einstellungen