Bremsklotz Jagdgesetz überprüfen

Liebe Jägerinnen und Jäger

Wer Veränderungen will, muss bereit sein, unbequeme Dinge beim Namen zu nennen, muss Defizite aufzeigen und darf den Verhandlungstisch nicht scheuen. Vorher muss man aber die eigene Position genau kennen und das anzustrebende Ziel festlegen. Aus der Differenz ergibt sich dann der Handlungsbedarf.

Unser Jagdgesetz ist in die Jahre gekommen. Wir sollten uns auf eine Gesetzesrevision vorbereiten. Die Welt – ich habe dazu schon oft Ausführungen gemacht – verändert sich stetig. Wir merken selber, dass unser Jagdgesetz einerseits viele Freiheiten bietet, aber andererseits auch einschränkt. Vielfach hat der Einzelne das Gefühl: Es blockiert, wo es eigentlich die Handlungsfähigkeit der Jägerinnen und Jäger ermöglichen sollte. Es verhindert, wo es eigentlich unterstützen und mittragen müsste.

Wir sollen im Jahr 2025 weniger Hirsche regulieren. 129 Hirsche weniger als im Vorjahr. Vor allem aber 229 weniger weibliche Tiere als im Vorjahr, in jenen Gebieten mit einer hohen Wolfspräsenz. Das ist gut so, und geht in die richtige Richtung. Aber auch mit über 4800 Hirschen bleibt die Aufgabe eine Herausforderung. Überaus anspruchsvoll ist es auch, weil uns das Gesetz Steine zwischen die Füsse legt. Immer mehr von euch fragen: «Wieso sind wir so unflexibel bei den Jagdzeiten, Jagdmethoden, bei sinnvollen Anpassungen?» Das Gesetz lässt etwas anderes nicht zu, aber wären wir für grosse Änderungen auch bereit?

An der Delegiertenversammlung haben wir das eins zu eins erlebt. Eine Mehrheit hat deutlich gefordert, dass nicht jedes Familienmitglied für denselben Jagdhund extra zahlen muss. Das macht keinen Sinn. Ein vernünftiges Anliegen also. Was wurde daraus? Leider erfahren wir jetzt in dieser Ausgabe (Seite 8), dass die Umsetzung dieses Anliegens nicht möglich ist. Geht nicht – Jagdgesetz. Ein weiteres Beispiel: 61 Prozent von uns wünschen sich laut BKPJV-Umfrage eine Freigabe des Kalibers. Geht nicht – Jagdgesetz.

Die Stimmen nach einer Teilrevision des Jagdgesetzes werden lauter – und die Änderungswünsche werden immer mehr. Die Ergebnisse der Umfrage zeigten, dass eine Mehrheit mit den heutigen Verhältnissen zufrieden ist. Andere rufen immer lauter nach Veränderungen, und zwar nicht irgendwann. Vermehrt höre ich: «In fünf bis zehn Jahren sieht es nicht besser aus.» Ein Satz, der mir hängen bleibt. Denn wer stillhält und auf bessere Zeiten hofft, verpasst die Gelegenheit, aktiv mitzugestalten. Die Themen sind auf dem Tisch. Es braucht Mut, eine Gesetzesrevision anzustossen und anzupacken. Wir müssen bei einem Revisionsprozess eine aktive Rolle einnehmen. Wir müssen uns aber auch bewusst sein, dass Jagdgegner mitreden werden und wir allenfalls auch Abstriche in Kauf nehmen müssen.

Darum mein Vorschlag: Nach einer seriösen Analyse der verschiedenen Themen soll uns das Amt für Jagd und Fischerei einen Fahrplan aufzeigen. Wann, wie und mit wem. Wir Jägerinnen und Jäger sind nicht einfach Ausführende – wir sind Betroffene, Mitdenkende, Mitgestaltende. Wir verdienen ein starkes Mitspracherecht. Wir müssen weiterhin die Diskussion führen und selber wissen und abwägen, was wir wollen und was nicht.

Zum Schluss noch ein Wort zu den aktuellen Vorbereitungen auf die schönste Zeit des Jahres: August heisst Vorfreude, Vorbereitungen, höherer Puls. Nehmt euch die Zeit – fürs Training, fürs Material, für eure Hunde, für euch selbst. Trotz aller beruflichen und privaten Verpflichtungen. Denn trainieren bzw. fit sein – im Kopf wie in den Beinen – heisst auch: Situation analysieren, Gefahren erkennen und im Zweifel auch einmal verzichten können.

Ich fasse zusammen: Packen wir’s an – jagdlich, politisch, und alles mit Freude. Weidmannsheil!

Tarzisius Caviezel Präsident BKPJV

Kontakt:

Bündner Patentjäger Verband
Promenade 56B
7270 Davos Platz

Tel.: 081 511 60 10
E-Mail: info@bkpjv.ch

Die nächsten Termine:

22. Mai 2027 DV in Davos

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