Wie wollen wir gestärkt in die Zukunft?
Wer heute Verantwortung in einem Verband trägt, spürt es täglich. Die Jagd hat nicht nur tolle Freunde. Es gibt auch gegnerische Interessen, die mit Kampagnen, verdrehten Argumenten, scheinheiligen Konzepten, aber auch einfach mit gut verkauften anderen Werten der Jagd das Leben schwer machen wollen. Die Jagd steht auf absehbare Zeit vermehrt im politischen Gegenwind, wird kommunikativem Scheinwerferlicht ausgesetzt sein und mit administrativen Ansprüchen herausgefordert. In einem rauer werdenden Umfeld muss sich der BKPJV behaupten – nicht irgendwann morgen, bereits jetzt.
Die jagdpolitische Komplexität hat in den vergangenen zehn, elf Jahren massiv zugenommen. Gleichzeitig ist die operative Basis des BKPJV unverändert geblieben: eine 70-Prozent-Sekretariatsstelle, deren Fokus aufgrund der Belastung auf reiner Büroadministration liegt. Damit entsteht eine immer grösser werdende strategische Lücke, die für die Bündner Jagd zunehmend riskant wird. Denn Politik, Kommunikation und Koordination der Kräfte lassen sich heute nicht mehr «zwischen Tür und Angel» so eben erledigen.
Es ist die Pflicht des Zentralvorstands und von mir als Verbandspräsidenten, für einen starken Verband einzustehen und euch auf unsere heutige Lage hinzuweisen. Dass die Anforderungen längst über die ehrenamtlichen Strukturen, die euch bekannt sind, hinausgewachsen sind. Wenn es also darum geht, unsere Strukturen zu analysieren und in geeigneter Form aufzustellen, dann hat das mit meiner persönlichen Zukunft nichts zu tun. Meine Amtszeit endet im Mai 2027. Als von euch gewählter Verantwortlicher des Verbands möchte ich aber nicht nur warnen, sondern auch zu einer Lösung beitragen. Der bevorstehende Prozess der Teilrevision des kantonalen Jagdgesetzes zeigt exemplarisch, welche Aufgaben nicht mehr einfach so nebenbei zu bewältigen sind: die Abstimmung innerhalb der Sektionen, das koordinierte Lobbying, die Vorbereitung der Vernehmlassungsantworten. All dies erfordert eine professionelle Geschäftsstelle, die administrativ wie strategisch solche Anforderungen meistern kann.
Hinzu kommt der absehbare Druck auf die Niederjagd – mit der latenten Gefahr eines Abstimmungskampfs. Dafür braucht es Reserven, Koordination und konzeptionelle Überlegungen, um vorbereitet zu sein. Dasselbe gilt für die Kommunikation: Wer heute gesellschaftliche Akzeptanz will, muss online präsent, aktuell und professionell unterwegs sein. Milizstrukturen handeln oft hemdsärmlig, unbeholfen, unattraktiv, sie können diese Daueraufgabe nicht schultern und verlieren an Schlagkraft.
Im Innern braucht der Verband eine stabile Basis. Der Vorstand soll führen, und nicht wegen operativen Detailaufgaben die Übersicht verlieren. Sitzungsorganisation, Beschlüsse, Konzepte, Veranstaltungsplanung, Unterstützung der Sektionen – diese Aufgaben verlangen ein höheres Mass an Professionalität, ohne dass die Qualität der Grunddienste wie Korrespondenz, Buchhaltung oder Versicherungswesen darunter leidet. In der Summe profitiert aber nicht nur der Verband von einer Stärkung der Geschäftsstelle. Sie wird auch die Arbeit der 72 Sektionen direkt, etwa in der Vermarktung des Wildbrets und in der täglichen Interessenvertretung in den Regionen, unterstützten.
Natürlich ist eine solche strukturelle Stärkung – leider, aber logischerweise – nicht gratis. Die für eine umsichtige Aufstockung benötigten zusätzlichen Mittel verlangen per 2027 konkret 9 Franken pro Mitglied und Jahr mehr. Das ist zwar keine kosmetische, aber in den Augen des Zentralvorstands auch keine übermässige Anpassung, die es aber erlaubt, eine gezielte Investition in die politische Schlagkraft, die kommunikative Präsenz und die strategische Handlungsfähigkeit zu realisieren. 4 Wie wollen wir gestärkt in die Zukunft?
Diesen Antrag an die Generalversammlung 2026 hat der erweiterte Zentralvorstand einstimmig unterstützt – aus Überzeugung, nicht aus Bequemlichkeit. Die Herausforderungen wachsen. Damit der BKPJV diesen Herausforderungen auch künftig Paroli bieten und gestärkt für die Bündner Jagd eintreten kann, ist die Beitragserhöhung ein notwendiger Schritt. Damit wir an unserer Bündner Jagd noch viele Jahre unsere Freude haben können.
Euer Tarzisius Caviezel
Präsident BKPJV
